Dichter Wohnen im Vierkanthof
Projekttitel: Dichter Wohnmix – Jung und Alt (Link zur Themenstellung)
Gemeinde: St. Konrad, Salzkammergut, Oberösterreich
Semester: Sommersemester 2024
„Dieses Projekt geht in die Geschichte der Gemeinde ein, weil wir so viel gelernt haben: Es muss nicht immer neu gebaut werden. Man kann mit sehr viel Charme das Alte neu machen.“
Foto: Kleinsasser © RURASMUS
RURASMUS-Studentin: Lukas Hegendörfer
Studienrichtung: Master Architektur - TH Nürnberg
Titel der Arbeit: Auf den Spuren des Vierkanthofs
Format der Arbeit: Masterarbeit
„Mein Entwurf sollte dazu dienen, ein Umdenken anzustoßen und aufzuzeigen, dass durch ein Umnutzungskonzept des Vierkanters der Gemeinde-Zersiedlung entgegengewirkt werden kann.“
AUSGANGSSITUATION
St. Konrad steht – wie viele Gemeinden des Salzkammerguts – vor der Herausforderung, leistbaren Wohnraum für junge Menschen zu schaffen, während die ältere Bevölkerung vereinsamt und zunehmend mit ihren Häusern oder Wohnungen überfordert ist.
Um Perspektiven und Alternativen aufzuzeigen und um gegen die Zersiedelung durch Einfamilienhäuser vorzugehen, muss auch im ländlichen Raum über „dichteres Wohnen" nachgedacht werden. Eine wesentliche Rolle bei der Antwortsuche spielen dabei die räumlichen Potentiale des Bestands. Mitten im Ort befindet sich ein leerstehender Vierkanter – die Raumressource, die Lukas Hegendörfer im Rahmen seines RURASMUS-Aufenthalts analysierte.
Dauer RURASMUS-Semester: 4 Monate
Wohnraum: 1-Zimmer-Wohnung im Mehrfamilienhaus
Arbeitsraum: Bürgermeister Zimmer am Gemeindeamt
Bürgermeister Herbert Schönberger (rechts) unterstützte RURASMUS-Student Lukas Hegendörfer (links) sowohl bei der Masterverteidigung in Nürnberg als auch bei der RURASMUS-Konferenz 2025.
Foto: Kleinsasser © RURASMUS
PROJEKTINHALT
Lukas Hegendörfer, Architekturstudent an der Technischen Hochschule Nürnberg, startete mit einer gründlichen Bestandsaufnahme des leerstehenden Vierkanthofs – durch Ortsbegehungen, Luftbildanalysen und verschiedene Erhebungsmethoden. Dabei stieß er auf insgesamt 37 weitere Vierkanthöfe in der Gemeinde, die er teilweise ebenfalls besuchte und analysierte.
(Foto 1) Luftbild Vierkanthof St. Konrad, Foto: Kleinsasser © RURASMUS
(Foto 2-3) Bestandsareal Vierkanthof St. Konrad, Fotos: Lukas Hegendörfer
Lukas (links) besichtigte gemeinsam mit Bürgermeister Herbert Schönberger (Mitte) und Amtsleiter Klaus Schachhuber (rechts) das Bestandsareal, nur rund 300 Meter von seiner Unterkunft entfernt. Die kurze Distanz ermöglichte es ihm, seinen Entwurfsgedanken direkt im Bestand zu entwickeln und immer wieder vor Ort zu reflektieren.
Foto: Lukas Hegendörfer
„Ich habe Skills dazugelernt, die findet man in keinen Lehrbüchern; die bekommt man nur, wenn man mit den Leuten vor Ort immer wieder ins Gespräch kommt.“
Um ein passendes Nachnutzungskonzept zu entwickeln, tauchte Lukas Hegendörfer tief in das Leben der Gemeinde ein: beim Maibaumaufstellen, beim Asphaltstockschießen, bei der Feuerwehrübung, bei privaten Einladungen und im direkten Austausch mit den Gemeindeverantwortlichen, mit denen er seinen Arbeitsplatz im Gemeindeamt teilte. In diesen Gesprächen fand er seine Antwort: Der Vierkanthof birgt erhebliches Potenzial für verdichtetes, generationenübergreifendes Wohnen, das Jung und Alt unter einem Dach vereint und der Zersiedelung durch Einfamilienhäuser entgegenwirkt.
Lukas bei der Feuerwehrübung in St. Konrad, Foto © Lukas Hegendörfer
PROJEKTERGEBNIS
Lukas Entwurf zeigt, wie ein leerstehender Vierkanthof zu neuem Leben erweckt werden kann: mit gemeinschaftlich genutzten Flächen, flexiblen Wohnmodellen und Raum für Jung und Alt unter einem Dach. Sein Konzept hat in St. Konrad etwas in Bewegung gesetzt. Bürgermeister Schönberger, der das Gebäude ursprünglich hätte abreißen lassen, denkt heute anders. Die Gemeinde will den Vierkanter nun reaktivieren und das Projekt nach Lukas Ideen weiterentwickeln. Seine Arbeit hat St. Konrad nicht nur die Augen für den eigenen Bestand geöffnet, sie hat ein Werkzeug geschaffen, das zeigt, wie Vierkanthöfe in Zukunft eine neue Chance bekommen können. Erhalten ist die Devise.
Modellfotos © Lukas Hegendörfer
Bei der Schlusspräsentation SKGT24 in Bad Ischl präsentierte RURASMUS-Student Lukas Hegendörfer, in der vom Bürgermeister geschenkten Lederhose, seine Arbeit, während Bürgermeister Herbert Schönberger (links) und Amtsleiter Klaus Schachhuber (rechts) als Gäste anwesend waren.
Foto ©Lukas Hegendörfer
„Wir haben uns auf ein Experiment eingelassen. Herausgekommen ist ein Werkzeug, das sich als unverzichtbar zeigt. Das Ergebnis der Masterarbeit bildet die Grundlage der weiteren Schritte, wie Vierkanthöfe in ihrer Struktur eine Überlebenschance haben.“
Foto: Kleinsasser © RURASMUS
Lukas RURASMUS-Projekt wirkt auch nach seinem Aufs-Land-Semester und dem Abschluss seines Studiums weiter, etwa bei der RURASMUS Konferenz 2025, wo er seine Perspektive erneut einbrachte.