MARKTGASSE: Leerstand beleben

Projekttitel: Leergut-Ensemble Marktgasse (Themenstellung)
Gemeinde: Ebensee, Oberösterreich
Semester:
Sommersemester 2024

„Ich wollte real etwas bewegen.“
— Tanja Stapelbroek, RURASMUS-Studentin

RURASMUS-Studentin: Tanja Stapelbroek
Studienrichtung:
Master Urbanistik - Bauhaus-Universität Weimar
Titel der Arbeit:
Marktgasse machen. - Erkenntnisse und Erfahrungen aus einem Reallabor zur Ortskernbelebung im ländlichen Raum
Format der Arbeit:
Masterarbeit



 

AUSGANGSSITUATION

Ebensee, auch bekannt als die „Vier-Seen-Gemeinde", war einst geprägt von der pulsierenden Marktgasse, die untrennbar mit der Errichtung der Saline 1607 verbunden ist. Im Laufe der Zeit führten infrastrukturelle Veränderungen dazu, dass die Gasse an Vitalität verlor und nun von Leerstand gezeichnet ist. Lange war die Marktgasse aufgrund ihrer hohen Wirtshausdichte das soziale Zentrum des Orts. Die 7.500-Einwohner:innen-Gemeinde suchte mithilfe von Tanja Stapelbroek, Urbanistik-Studentin an der Bauhaus-Universität Weimar, nach Wegen, damit die Marktgasse wieder ein gutes Leben für alle bieten kann.



Dauer RURASMUS-Semester: 4 Monate
Wohnraum: Wohnung im Zentrum
Arbeitsraum: Partizipationslabor in einem der leerstehenden Gebäude

Die gewerblichen Leerstände im Erdgeschoss der Marktgasse wurden in einem Plan verortet und bildeten den Ausgangspunkt für die Ursache des Leerstands. Ziel war es mit Eigentümer:innen in den Austausch zu gehen und einen Impuls für die Wiederbelebung des historischen Ortszentrums von Ebensee anzustoßen.

Tanja Stapelbroek vor dem Partizipationslabor, wo sie gemeinsam mit der Bevölkerung an Ideen für die Zukunft der Marktgasse arbeitete.

 

PROJEKTINHALT

Ein zentrales Element ihres Projekts war das Partizipationslabor, das sie in einem der leerstehenden Gebäude einrichten durfte. Dort führte sie Interviews, organisierte Workshops und Mitmachaktionen, um gemeinsam mit der Bevölkerung Ideen für die Zukunft der Gasse zu entwickeln. Aus diesen Gesprächen entstand eine Liste von Empfehlungen – darunter die Idee eines „Brandings" für die Marktgasse, um ihre Identität zu stärken und ihre Potenziale hervorzuheben, sowie die Wichtigkeit einer langfristigen Betreuung durch eine zentrale Ansprechperson, die die Weiterentwicklung der Gasse auch in Zukunft begleitet.

Durch partizipative Formate wie den Mitmach-Workshop in der Marktgasse, wo engagierte Ebenseer:innen spontane Ideen für Kunst, Handwerk und Pop-up-Nutzungen der Leerstände entwickeltenn, erkannten Tanja Stapelbroek sowie die Ebenseer:innen selbst das ungenutzte Potenzial der Gasse. „Wer um Hilfe bittet, dem wird geholfen. Man kann häufig mit ganz ganz wenig Mitteln viel erreichen”, so Tanja.

 

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PROJEKTERGEBNIS

Tanjas Arbeit hat in Ebensee etwas in Bewegung gesetzt. Ein zentrales Umdenken konnte sie anstoßen: Leerstand ist kein individuelles Problem der Hauseigentümer:innen, sondern ein strukturelles und gemeinschaftliches und braucht gemeinsame Lösungen. Besonders wertvoll war die enge Zusammenarbeit mit dem Team des lokalen Agenda-Zukunftsprozesses sowie dem Dorf- und Stadtentwicklungsverein „DOSTE", der künftig mit frischem Wind viel zur Entwicklung beitragen könnte.

 

Im Rahmen der Schlusspräsentation SKGT24 in der Trinkhalle in Bad Ischl präsentierte Tanja die Meilensteine ihres Projekts während ihres Aufs-Land-Semesters, von den ersten Gesprächen mit Leerstandseigentümer:innen über den Einzug ins Mitmachlabor bis hin zu den vielfältigen Partizipationsformaten.

„Tanja hat für die Markgasse die Kümmerer-Funktion übernommen und hat intensiv mit den Menschen geredet, viel erklärt, Dinge schmackhaft gemacht und angestoßen. Wir haben durch ihre offene Art menschlich sehr viel gelernt.“
— Sabine Promberger, Bürgermeisterin Ebensee

LANGFRISTIGE WIRKUNG DES RURASMUS-PROJEKTS

Basierend auf den RURASMUS-Impulsen von Tanja Stapelbroek wurde die Marktgasse in Ebensee zur „Artgasse“. Im September 2025 startete das Agenda.Zukunft-Folgeprojekt, das Leerstände mit Handwerk, Kunst und temporären Nutzungen belebte sowie ab Oktober 2025 eine Ortskernkümmerer-Stelle als Anlaufstelle einrichtete. Genau wie Tanja Stapelbroek es als zentrale Empfehlung zum Abschluss ihres Aufs-Land-Semesters formulierte: „Für die Weiterentwicklung der Gasse ist eine langfristige Betreuung durch eine zentrale Ansprechperson notwendig, die sie auch in Zukunft begleitet.“

 

Neugierig? Lies hier weiter:

 
 

Die Copyrights der Fotos liegen in der folgenden Reihenfolge bei:

Bild 1: Portrait Tanja Stapelbroek: Kleinsasser © RURASMUS
Bild 2: Lageplan inkl. Leerstände Marktgasse © Tanja Stapelbroek
Bild 3: Tanja Stapelbroek im Partizipationslabor © Pascal Snijder
Bild 4: Mitmachaktionen in der Marktgasse © Marlene Wagner
Bild 5-6: Mitmachaktionen in der Marktgasse © Isabel Stumfol
Bild 7-10: Mitmachaktionen in der Marktgasse © Marlene Wagner
Bild 9: Schlusspräsentation SKGT 24: Kleinsasser © RURASMUS


Dieses Semester war Teil des RURASMUS-Projekts “New Living in Rural Area” im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024.

 
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