Mehrgenerationenwohnen – Neu gedacht

Projekttitel: Mehrgenerationen-Wohnen: Neu gedacht (Themenstellung)
Gemeinde: Grundlsee, Steiermark
Semester:
Sommersemester 2024

„Muriels Arbeit hat in unseren Köpfen ein echtes Bewusstsein für dieses Thema geschaffen. Uns ist klar geworden – ob wir wollen oder nicht – dass wir uns als Gemeindepolitik um dieses Thema kümmern müssen, denn von selbst löst sich das nicht.“
— Franz Steinegger, Bürgermeister Grundlsee

RURASMUS-Studentin: Muriel Beringer
Studienrichtung:
Architektur und Stadtplanung - Universität Stuttgard
Titel der Arbeit:
Mehrgenerationenwohnen – Neu gedacht. Neue Konzepte für mindergenutztes Wohneigentum/Mehrgenerationenhäuser
Format der Arbeit:
Masterarbeit



„Was ich toll fand, war die Möglichkeit, aktiv im Ort für den Ort zu arbeiten. Dadurch bekommt das Projekt eine stark persönliche Ebene.“
— Muriel Beringer, RURASMUS-Studentin
 

AUSGANGSSITUATION

Die Gemeinde Grundlsee am Fuße des Toten Gebirges bietet eine malerische Kulisse am größten See der Steiermark. Doch freier Wohnraum ist knapp. Während junge Familien auf Wartelisten für Wohnangebote stehen, gibt es Eigentümer:innen mit mindergenutztem Wohnraum und Generationenhäusern. Muriel Beringer, Studentin der Architektur- und Stadtplanung an der Universität Stuttgart, untersuchte im Rahmen ihres RURASMUS-Semesters, wie dieser Wohnraum geöffnet werden kann und wie neue synergetische Wohnmodelle aussehen könnten. Dabei sollten die veränderten Arbeitsrealitäten und Wohnbedürfnisse der jüngeren Generation sowie der Wunsch der älteren Generation, im eigenen Heim zu bleiben, berücksichtigt werden. Ihre Arbeit beinhaltet sowohl organisatorische als auch räumliche Bestandteile – als Teil einer Strategie zur Mobilisierung von mindergenutztem Wohnraum und dessen zukunftsfähiger Transformation.



Dauer RURASMUS-Semester: 4 Monate
Wohnraum: Zimmer im Einfamilienhaus einer Gastfamilie in Grundlsee
Arbeitsraum: Bürgermeisterzimmer im Gemeindeamt Grundlsee

Gemeinde Grundlsee, Steiermark: Malerische Kulisse und Ausgangspunkt für die Suche nach nutzbarem, knappen Wohnraum.

 

PROJEKTINHALT

Im Rahmen ihres RURASMUS-Semesters setzte sich Muriel Beringer intensiv mit der Wohnraumsituation in Grundlsee auseinander. Ihre zentrale Erkenntnis: Jede Wohnsituation ist individuell – und lässt sich nur im direkten Gespräch verstehen. Ihr Ansatz war deshalb bewusst kommunikativ und ergebnisoffen: Nachfragen, respektieren, verstehen – und dann Alternativen aufzeigen, die genau auf die jeweilige Situation zugeschnitten sind. Dieser Zugang kam an. Entscheidende Momente waren jene, in denen ursprünglich skeptische Personen sagten: „Ja, so könnte ich mir das wirklich vorstellen."

Neben formellen Gesprächen mit Eigentümer:innen und Gemeindevertreter:innen nutzte Beringer auch informelle Begegnungen – beim Schießen auf der Schießstätte oder beim nächtlichen Kalkbrennen in Gößl – um ins Gespräch zu kommen. Denn genau dort, wo keine Agenda herrscht, erfährt man als Planer:in oft das Wertvollste: was zwischen den Zeilen steht.

Muriel Beringer war „Versuchskaninchen" ihres eigenen Forschungsthemas: Sie zog in das Haus einer Gastfamilie ein. Auf der Terrasse mit Seeblick sprach sie mit ihrer Gastmutter stundenlang über die Möglichkeiten, Wohnraum im Ort zu aktivieren.

 

Aus diesen Erkenntnissen entwickelte Beringer ein zweiteiliges Konzept: Einerseits eine räumliche Strategie, die mindergenutzte Gebäude nicht isoliert, sondern im nachbarschaftlichen Verbund denkt – als Bausteine eines lebendigen Ortslebens, die Wohnen mit gemeinschaftlichen Nutzungen wie Versorgung, Daseinsvorsorge oder Klimaanpassung verknüpfen. Andererseits das Konzept einer regionalen Anlaufstelle, die Wohnraumsuchende, Anbietende und die Gemeinde zusammenbringt, Informationen zu Förderungen und Wohnmodellen bündelt und individuelle Begleitung für Transformationsprojekte im privaten Wohnraum bietet. Dieses Konzept stellte sie auch dem Regionalmanagement in Liezen vor.

Konzeptgrafik: Regionale Anlaufstelle, die Suchende und Anbietende zusammenbringt, Förderinfos bündelt und Transformationsprojekte begleitet.

„Um privaten Wohnraum zu mobilisieren, müssen Menschen mobilisiert werden. Gemeinden können Impulse setzen, um einen Dominoeffekt direkt im Ort anzustoßen.“
— Muriel Beringer, RURASMUS-Studentin
 

PROJEKTERGEBNIS

Muriels Arbeit hat in Grundlsee etwas in Bewegung gesetzt – in den Köpfen der Menschen wie in der Gemeindepolitik. Dort, wo am Anfang Skepsis herrschte, ist Vorstellungskraft entstanden. Bürgermeister Franz Steinegger begann, das Thema aktiv überregional zu kommunizieren – mit Erfolg: Andere Gemeinden meldeten sich. Die Ergebnisse von Beringers Arbeit werden seither vielfach eingesetzt und diskutiert. Und auch nach dem offiziellen Ende des Semesters bleibt die Zusammenarbeit mit der Gemeinde bestehen – denn das Thema, so Beringer selbst, ist dringender denn je.

 
 

Studentin Muriel Beringer präsentiert im Rahmen der Schlusspräsentation SKGT24 in der Trinkhalle in Bad Ischl ihre Projektergebnisse.

„Muriel hat unglaublich intensiv und mit großer Selbstdisziplin gearbeitet. Sie hat Bewusstsein geschaffen: Dieses Thema betrifft uns. Die Zusammenarbeit hat uns sehr neugierig gemacht – neugierig auf junge Menschen und die Ideen, die sie mitbringen.“
— Franz Steinegger, Bürgermeister Grundlsee
 

Neugierig? Lies hier weiter:

 
 

Die Copyrights der Fotos liegen in der folgenden Reihenfolge bei:

Bild 1: Portrait Muriel Beringer: Kleinsasser © RURASMUS
Bild 2: Landschaft: Grundlsee © Franz Steinegger
Bild 3: Portrait Muriel Beringer: Kleinsasser © RURASMUS
Bild 4-5: Grafiken © Muriel Beringer
Bild 6: Schlusspräsentation SKGT24: Kleinsasser © RURASMUS


Dieses Semester war Teil des RURASMUS-Projekts “New Living in Rural Area” im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024.

 
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